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Presse

Eine Krankheit der Armen

Ratinger Wochenblatt 27. März 2008

 

Ratinger Verein kümmert sich um Lepra-Betroffene in Indien

 

Ratingen
Wer unter Lepra leidet, der ist von Gott gestraft worden. So jedenfalls sah man es im Mittelalter bei uns. In Europa ist die Krankheit glücklicherweise ausgestorben. Nicht so in Indien. Hier leben 70 Prozent der weltweit etwa 1,2 Millionen Leprakranken, und sie werden auch dort gesellschaftlich ausgegrenzt – mit den gleichen irrationalen Begründungen wie bei uns im Mittelalter. Der Ratinger Verein Indien-Nothilfe leistet deshalb gezielt Unterstützung für eine Lepra-Kolonie in Sendhwa/Zentralindien. Die Vorsitzende Karin Demuth ist vor wenigen Wochen von einer Reise dorthin zurückgekehrt. Sie berichtet von einigen positiven Schritten, die die Kolonie mit ihrer Hilfe schon gemacht hat, und ist beeindruckt von der Herzlichkeit der Menschen.

„Lepra ist eine Krankheit der Armut“, konstatiert Walter Lück, der 2. Vorsitzende der Indien-Nothilfe. Sie tritt nämlich da auf, wo Mangelernährung, Unterernährung und mangelnde Hygiene herrschen. Und dies ist in weiten Teilen Indiens der Fall. „Die Schere zwischen arm und reich klafft auf dem Subkontinent immer weiter auseinander“, so Lück. Eine kleine Oberschicht verdient großes Geld, dadurch werden die Preise z.B. für Lebensmittel teurer, was wiederum die Not der armen Mehrheit verschlimmert. Das trifft auch die ausgegrenzten Leprakranken.

Das Problematische an der Lepra ist, dass man den Erreger nicht nachzüchten kann. Deshalb gibt es bis heute keinen Impfstoff gegen die Krankheit. Auch der Übertragungsweg ist noch nicht geklärt. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Tröpfcheninfektion. Die Lepra ist so tückisch, weil sie zu Gefühllosigkeit an Händen und Füßen führt, deshalb verletzten oder verbrennen sich die Betroffenen oftmals ohne es zu merken. Die Wunde wiederum wird nicht behandelt, so dass eine Entzündung auftritt, was im Extremfall zum Verlust von Gliedmaßen führt. Auch Erblindung kann eine Folge von Lepra sein.

Bei all diesem Horrorszenario mal eine positive Nachricht: Lepra ist heilbar. Der Erreger wird mit Kombinationspräparaten innerhalb von sechs bis 18 Monaten komplett abgetötet. Bereits aufgetretene Schäden wie der Verlust von Gliedmaßen können natürlich nicht revidiert werden. So sind viele Ex-Leprakranke auf orthopädische Hilfsmittel angewiesen.

Hier kommt nun die Indien-Nothilfe ins Spiel. Der Verein, der verschiedene Hilfsprojekte in Indien unterstützt, hat 1998 Kontakt zu der Leprakolonie aufgenommen. Als Sofortmaßnahme wurde Geld für Medikamente zur Verfügung gestellt. Diese Hilfe läuft bis heute weiter und einige Dorfbewohner können schon als geheilt gelten. Allerdings gibt es für sie keine Chance auf eine Rückkehr in die indische Gesellschaft, sie müssen in der Kolonie bleiben.

Völlig im Stich gelassen sind die Bewohner nicht, sie werden von Nonnen des Augustinerordens betreut. Mit diesen arbeitet Karin Demuth zusammen. Sie hat letztes Jahr eine weitere Initiative gestartet: Einige Hütten waren baufällig und mussten komplett saniert werden. Das haben die Dorfbewohner selbst gemacht, doch sie brauchten natürlich Geld für Baumaterial wie Zement. Das stellte die Indien-Nothilfe zur Verfügung. Bei ihrem jüngsten Besuch stellte Karin Demuth aber fest, dass noch einige Hütten renoviert werden müssen. Wenn das Geld reicht, soll das noch in diesem Jahr in Angriff genommen werden.

Der Besuch der Vorsitzenden war für die Menschen in der Kolonie wie eine Bescherung. Denn Karin Demuth leistete auch Soforthilfe. Die mangelhafte Ernährung bekämpfte sie, indem sie den Dorfbewohnern Lebensmittel kaufte. Reis, Mehl, Dall (Linsen), Zucker, Tee und Öl wurden angeschafft und gerecht verteilt. „Von dem Vorrat, den wir gekauft haben, können die Familien zwei Monate gut leben. Wir überlegen jetzt, wie wir die Ernährung dauerhaft verbessern können“, so Karin Demuth. Auch das ist natürlich eine Frage des Geldes.

Als weitere Soforthilfe kaufte die Vorsitzende auch Kleidung für die Dorfbewohner. Langfristig sollen die Leprakranken und ihre Familien in ihrer Situation gestärkt werden. So wurden zum Beispiel vor fünf Jahren mehrere Webstühle angeschafft, so können die Koloniebewohnerinnen Teppiche herstellen und mit Gewinn verkaufen. Einige der Familien haben sich Hühner oder Ziegen angeschafft und betreiben in kleinem Stile Landwirtschaft. Insgesamt geht es dank der Indien-Nothilfe in der Kolonie stetig bergauf.

Wer die Arbeit der Indien-Nothilfe unterstützen will, kann auf folgendes Konto überweisen: Nr. 966 1000, bei der Deutschen Bank, BLZ 300 700 24. mp

 

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